Die Georgian Periode

Benannt nach den drei Königen namens Georg umfasst die Georgian Periode ungefähr einhundert Jahre britischer Geschichte. Als Urenkel Jahobs I. bestieg Georg I., Kurfürst von Hannover, 1714 eher widerwillig den ererbten englischen thron. Auch sein Sohn Georg II. schien während seiner Herrschaft von 1727-1760 kaum Interesse an seinem englischen Volk zu haben. Mit der Regierungszeit Georges III. (1760-1811) fiel schließlich jenes Ereignis zusammen, das die Menschheit nachhaltig prägte: die Industrielle Revolution.

In dieser Zeit wandelte sich das barocke Weltbild des Menschen zu einem auch heute noch gültigen Weltbild. Das Zeitalter der Aufklärung - im Englischen treffender als "Age of Enlightenment" bezeichnet - räumte gründlich auf mit der Vorstellung eines gottgegebenen Schicksals und einer Klassengebundenen Gesellschaft. Der Mensch nahm sein Leben selbst in die Hand, erforschte die Geheimnisse der Natur und nutzte sein erworbenes Wissen zum sozialen Aufstieg. Wissenschaftliche Zirkel wurden gegründet mit dem Ziel, naturwissenschaftliche Phänomene zu erforschen und das daraus resultierende Wissen im Lande zu verbreiten. Einer der berühmtesten Zirkel nannte sich "The Lunar Society" und hatte so illustre Mitglieder wie Josiah Wedgwood, den Gründer der berühmtesten Porzellanmanufaktur gleichen Namens. Wandernde Gelehrte bereisten das Land und führten unter regem Interesse der Zuschauer Schauexperimente durch. Es war eine Zeit des Wohlstands und technischen Fortschritts, die es auch einfacheren Leuten ermöglichte, ihr Glück zu machen, Reichtum zu erwerben und ihr Haus mit kostbaren Möbeln auszustatten.

Der Mensch des 18. Jahrhunderts war außerordentlich gesellig. Anders als im zentralistisch regierten Frankreich, gab es in England kein nennenswertes Hofleben. Da die ersten beiden George nur deutsch sprachen, hielten sie sich auch lieber in ihrer Heimatstadt Hannover auf. Der englische Adel weilte unterdessen auf seinen Landsitzen und pflegte das gesellschaftliche Leben in der Provinz, wobei es hier nicht dieselben Klassenschranken gab, wie beispielsweise in Deutschland. Dementsprechend war die Gesellschaft bunt gemischt.


 

Man traf sich zum Tee diskutierte über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, das Schreckliche und Erhabene, das neue Verhältnis zur Natur, spielte leidenschaftlich gern Karten und andere Spiele und war begierig auf alles Neue, das dem Leben Pepp gab. Wer es sich leisten konnte, bereiste Europa und brachte von dort neben neuen Ideen auch erlesene Kunstwerke mit. Die "Grand Tour" gehörte selbstverständlich zum Ausbildungsprogramm junger Gentlemen. Das ausgesprochene Lieblingsziel solcher Bildungsreisen war Italien. Die sensationellen Funde der antiken römischen Städte Herculaneum (1738) und Pompeji (1748) beflügelten das Interesse an der klassischen Antike und prägten den Stil des Wohnambientes.

Das 18. Jahrhundert war ein lukratives Zeitalter für Designer und Kunsttischler. Die rasch wechselnden Vorlieben und Moden ihrer Kundschaft erzeugten eine große Nachfrage nach neuen Möbeln. Als Beispiel dafür, welchen Wohlstand ein Cabinet-Maker jener Zeit erlangen konnte, sei hier George Seddon (1727-1801) verwiesen. Geboren in Lancaster, das neben London eines der größten Zentren der Möbelproduktion war, unterhielt er eine Werkstatt, die seit 1750 enorme Mengen an Möbeln herstellte. Gegen 1786 beschäftigte er mehr als 400 Tischlergesellen! Als Seddon 1801 in London starb, war er längst Privatier. Dennoch hat Seddon das Möbeldesign seiner Zeit nicht maßgeblich beeinflusst. Das blieb der großen Trias des 18. Jahrhunderts vorbehalten: Thomas Chippendale, George Hepplewhite und Thomas Sheraton.