Thomas Chippendale (1718-1779)

Hauptvertreter des englischen Rokoko, begründete seinen legendären Ruf mit der Veröffentlichung des Gentleman and Cabinet-Maker's Director im Jahre 1754. Selbst ein Kunsttischler von hervorragendem Können, unterhielt Chippendale eine florierende Werkstatt in London und beschäftigte 22 Angestellte. Hier wurden nicht nur feinste Möbel gefertigt, für die Aufträge vorlagen, sondern, wie man heute weiß, auch einfache Gebrauchsmöbel, für Käufer bestimmt, die noch nicht so recht wussten, was sie eigentlich wollten. Da Chippendale seine Arbeiten nicht kennzeichneten, ist ein Nachweis, dass ein Möbel aus seiner Werkstatt stammt, sehr schwierig und eigentlich nur über alte Inventaraufzeichnungen und Rechnungen möglich. Als gesichert gelten zum Beispiel die Möbel im Harewood House und Nostell Priory, da sie sich immer noch an dem Ort befinden, für den sie konzipiert wurden.

Chippendales legendärer Director erlebte zwei Neuauflagen, eine im Jahr 1755 und eine dritte erweiterte Auflage 1762. Das über die Grenzen Englands hinaus bekannte Vorlagenwerk enthielt nicht nur Entwürfe, die vom Autor selbst stammten, obwohl er dies gerne behauptete, sondern eine Sammlung verschiedenster gängiger Möbeltypen und Stile. Diese lassen sich grob in drei Hauptkategorien unterteilen: Die französischen Entwürfe folgen dem kontinentalen Rokoko-Stil und sind durch die üppige Verwendung von Rocaillen, Blumenornamenten und Asymmetrie gekennzeichnet, die chinesischen zeichnen sich durch Pagodenform, streng geradlinige Laubsägearbeiten sowie europäisierte "chinesische" Ornamentik aus, die gotischen Entwürfe greifen in Form und Dekor spezifische Elemente der gotischen Architektur auf, so zum Beispiel Spitzbögen, Kleeblätter, gebündelte Säulen und stilisierte Pflanzenornamente. Der Erfolg des Buches beruhte auf der Fülle der darin enthaltenen Ideen. Diese fanden bis in den letzten Winkel der Provinz Eingang und wurden dort von weniger begabten Tischlern zu einem vereinfachten ländlichen Chippendale-Stil umgewandelt.

 


George Hepplewhite (gest. 1786)

Auch George Hepplewhite verdankt seinen Ruhm einem Vorlagenwerk, dem Cabinet Maker and Upholsterer's Guide, den seine Witwe Alice im Namen ihres verstorbenen Mannes 1788 veröffentlichte. Wenn man bedenkt, welch großen Einfluss er auf die Möbelgestaltung des letzten Viertels des 18. Jahrhunderts hatte, ist es erstaunlich, dass über den Mann selbst kaum etwas bekannt ist. Wir wissen nur, dass er spätestens seit 1760 in London als Kunsttischler arbeitete und dass seine Witwe den Betrieb nach seinem Tod weiterführte. Es ist jedoch kein einziges Möbelstück überliefert, das eindeutig mit ihm in Zusammenhang gebracht werden könnte.

Der Guide erlebte drei Auflagen: die letzte erschien in erweiterter und revidierter Form 1794 und zeigt deutlich Sheraton-Einflüsse. Im Gegensatz zu Chippendales Director erhebt Hepplehwites Vorlagenwerk in keiner Auflage den Anspruch auf Originalität, vielmehr seien hier Entwürfe gesammelt, die das "Elegante mit dem Nützlichen" verbinden wollen. Diese Entwürfe präsentieren sich in einem zurückhaltenden neo-klassizistischen Stil. Die für Hepplewhite typischen Dekorationselemente kommen vor allem in den Stuhlrückenlehnen zum Vorschein: Klassische Vasen, Girlanden und Weizenähren. Neben der ihm zugeschriebenen Schildrückenlehne, entwarf er ovale und herzförmige Lehnen, auch der weit verbreitete Camel Back geht auf ihn zurück.

Böse Zungen behaupten, diese Entwürfe seien nichts andere als ein vereinfachter Adam-Stil und übersehen dabei, dass die von Adam ins Leben gerufene neo-klassizistische Bewegung seit den 1770er Jahren sehr viele Nachfolger mit durchaus eigenständigen Ideen hervorgebracht hat. Im Gegensatz zu Adam, der die Dinge entwarf, aber nie selbst baute, zielte Hepplewhites Design auf das möglichst preiswert Realisierbare ab. Diese Tatsache begründet auch den großen Erfolg, der dem Guide beschieden war: Die Möbel waren preiswert und gleichzeitig elegant. Es waren die idealen Möbel für die große Mittelschicht und bedurften aufgrund ihrer Einfachheit keiner Kunsttischler, die über immense Talente verfügten.